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Beruf des Monats - Archiv 2006
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Im Porträt ...
Isabella Rausch, Gebärdensprachdolmetscherin,
29 Jahre alt, selbstständig

 

Isabella RauschWas macht eine/n GebärdensprachdolmetscherIn aus und welche Ausbildung ist dazu notwendig?
Gehörlose Menschen nehmen Sprache ausschließlich visuell, über ihre Augen wahr. Alles, was im Raum zu hören ist, wandle ich in visuelle Signale um, also auch Handyklingeln oder Lachen. Ebenso ist es umgekehrt: Gebärdensprache wird in hörbare Sprache umgewandelt. Hauptsächlich dolmetsche ich vom gesprochenen Deutsch in die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS). Ich dolmetsche simultan (= ca. 2-3 Sekunden zeitverzögert) und garantiere so eine direkte Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen.

Um ein/e Österreichische/r GebärdensprachdolmetscherIn (kurz: ÖGS-DolmetscherIn) zu werden, muss man eine Prüfung vor einer Kommission1 an der Universität ablegen. Die Kurse an der Uni bestehen aus Theorie und Praxis inklusive Praktika bei bereits zugelassenen DolmetscherInnen. Nach dem Bestehen der kommissionellen Prüfung (und dem Erhalt eines Berufsausweises) hat jede/r DolmetscherIn Qualitätskriterien zu erfüllen, die in regelmäßigen Abständen geprüft werden.

Mein Terminkalender ist voll mit Terminen verschiedenster Art: ich dolmetsche bei Seminaren, Dienstbesprechungen, Uni-Vorlesungen, Kindergarten-Elternabenden und anderen Anlässen. Termine, die länger als 1,5 Stunden dauern, werden im Team gedolmetscht.

Meine eigentliche Arbeit, das ÖGS-Dolmetschen, nimmt etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit in Anspruch, dazu gehört auch die Planung und Vorbereitung. Die andere Hälfte meiner Arbeitzeit befasse ich mich mit der Organisation von Terminen, Honorarabrechnung oder Betriebswirtschaft.

Wie bist du auf die Idee gekommen, GebärdensprachdolmetscherIn zu werden?
Ich wollte mich beruflich verändern und professionell mit Gehörlosen arbeiten, ohne jedoch selbst Sozialarbeiterin oder Pflichtschullehrerin zu werden. Zum anderen gab es auch persönliche Gründe: meine Eltern sind beide gehörlos, ich wuchs als so genanntes CODA-Kind2 auf. Die Gebärdensprache ist daher meine Muttersprache.

Was macht dir besonders Spaß an deinem Job? Was weniger?
Bei meinem Beruf weiß ich sehr oft nicht, was auf mich zukommt. Es ist immer spannend, worüber die Vortragenden, die ich dolmetschen muss, reden werden oder was vor Ort passieren wird. Störfaktoren wie akustische Nebengeräusche, die das Wahrnehmen von Sprache erschweren, machen die Arbeit mühsam. Vortragende, die nuscheln oder misstrauisch mir und meiner Arbeit gegenüber sind, gibt es immer wieder. Ich arbeite sehr gerne im Team, so kann ich mich mit KollegInnen in den Pausen unterhalten und Stress abbauen. Wenn ich dolmetsche, konzentriere ich mich immer vollkommen auf meine Arbeit, auf das, was in diesem Moment passiert. Ein gut gelungener Dolmetschtermin, bei dem alle zufrieden sind, macht mich zufrieden.

Welche besonderen Eigenschaften oder Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Ein/e GebärdensprachdolmetscherIn sollte vor allem ein gutes Sprachgefühl besitzen, um sich in sein/ihr Gegenüber einzufühlen. Von Vorteil sind auch eine starke Stimme, kompaktes Allgemeinwissen und gute Improvisations- und Kommunikationsfähigkeiten. Weiters sollte man nicht kontaktscheu sein, sondern Freude daran haben, jeden Tag neue Menschen kennen zu lernen.

Welchen Tipp gibst du jungen Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollen? Wenn man sich für den Beruf eines/r GebärdensprachdolmetscherIn interessiert, empfehle ich die ein oder andere Schnupperstunde bei Gebärdensprachkursen (z.B. Sprachenzentrum der Universität, WITAF3). Ein weiterer interessanter Tipp ist sicher auch der Besuch von (Kultur)Veranstaltungen, die von Gehörlosen organisiert werden. Auf jeden Fall sollte man Ausdauer mitbringen.

Zusatzinfo:
Die österreichische Gehörlosengemeinschaft umfasst neben den geschätzten 10.000 Gehörlosen ebenso 400.000 GebärdensprachbenützerInnen.
Ca. 50% der DolmetscherInnen des ÖGSDV4 sind zweisprachig (ÖGS und Deutsch) aufgewachsen, 50% haben die ÖGS später erworben u.a. in Kursen.

Mehr Infos auf der Homepage des Berufsverbandes der Österreichischen GebärdensprachdolmetscherInnen (ÖGSDV) unter http://www.oegsdv.at/

 

1 Kommission: "Prüfungsjury"
2 Child Of Deaf Adults, hörende Kinder gehörloser Eltern
3 WITAF, http://www.witaf.at/
4 Österr. GebärdensprachdolmetscherInnenverband


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