Hannes Lager, 37 Jahre - Betriebsleiter
Spedition Sobolak International, Leobendorf bei Wien
Was macht ein/e LogistikerIn und welche Ausbildung ist dazu notwendig?
Zunächst eines: für Dienstleistungsunternehmen der Transportbranche ist Logistik ein überstrapazierter Begriff. Ich bezeichne mich eher als Spediteur. Die Aufgaben sind vielfältig. Ich organisiere Verpackung, Transport, Zustellung, Entpacken und Möbelaufbau weltweit. Die gängigste Ausbildung ist die Lehre zur Speditionskauffrau/kaufmann. Ich habe die WIFI Berufsakademie für Spedition, Materialwirtschaft und Transport absolviert. Es gibt aber auch Unilehrgänge und Fachhochschulen, die Ausbildungen im Bereich Export und Logistik anbieten.
Wie bist du auf die Idee gekommen Logistiker zu werden?
Nach der Matura hatte ich keinen Beruf, fing an bei einer Transportfirma zu arbeiten und wollte mich höher qualifizieren. Daher habe ich die WIFI Berufsakademie absolviert. War also nur Zufall.
Was macht dir besonders Spaß an deinem Job? Was weniger?
In meiner spezifischen Nische macht vor allem die Vielfältigkeit der persönlichen Beziehungen Spaß. Unsere KundInnen sind DiplomatInnen und ManagerInnen aus allen Kulturkreisen dieser Erde - Amerika, China, Japan, UdSSR, Chile - jedes Land ist möglich. Meine Kollegen sind Möbelpacker, sehr bodenständige "gstandene" Arbeiter. Das kann zur Abwechslung sehr erholsam sein. Daneben ist auch die Kontaktpflege mit Partnerspediteuren rund um die Welt Teil meines Jobs. Schließlich müssen die Möbel und Haushaltsgüter meiner KundInnen auch in Kanada oder Japan sorgfältig behandelt werden.
Weniger lustig ist der psychische Stress. Menschen, die ihr persönliches Hab und Gut in einen Container verschwinden sehen, in einen anderen Kontinent ziehen und nicht wissen, was genau sie dort erwartet, können gehörig Druck machen. Der steigende Preisdruck ist ebenso eine Kehrseite meiner Branche.
Welche besonderen Eigenschaften oder Fähigkeiten sollte man mitbringen?
In meinem spezifischen Job sind soziale Fähigkeiten und vernetztes Denken sehr wichtig. In anderen Logistikbereichen ist es Schnelligkeit, in wieder anderen Genauigkeit. Das ist an jeder Stelle anders. Grundsätzlich sind gute Sprach- und Geografiekenntnisse sowie PC-Know-How eine wichtige Basis für diesen Job.
Welchen Tipp gibst du jungen Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollen?
Prinzipiell ist der Dienstleistungssektor (und der Transportsektor noch mal schlimmer) durch Lohn- und Gehaltskosten bestimmt. Das hat zur Folge, dass das Gehaltsniveau nicht besonders hoch ist. Wer also viel Geld verdienen will, sollte sein Glück in Produktion, Forschung oder "Wertpapier jonglieren" suchen.
Mein Tipp für meine Töchter: Finde was, das du gern machst, und dann schau weiter, wohin dein Weg dich führt. Wer weiß schon mit 15 oder 16, was er oder sie mit 30 oder 40 macht?